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Honig und Römische Stadtbienen

Mein städtischer Bienenstand befindet sich in einem großen Garten in Garbatella. Leider wird die Honigbiene (Apis mellifera) stark von der Asiatischen Hornisse (Vespa orientalis) befallen. Im August 2024 verlor ich alle meine Bienenvölker. Deshalb habe ich einen zweiten Bienenstand außerhalb Roms, in den Voralpen, errichtet. Die Zukunft ist ungewiss.

Ich arbeite als Landschaftsgärtnerin, Gartenbauexpertin, Imkerin und Naturführerin. Ich liebe die Natur und bin fasziniert vom Neuen und vom Alten sowie von den vielen Wegen dazwischen.

2007 gründete ich das Projekt „Stadtbienenhonig“ und füllte meinen ersten Honig in Gläser ab. Da ich einen passenden Namen brauchte, erfand ich das Wort „Stadtbienen“. Es war bis dahin unbekannt. Ich entschied mich, die Bienenstöcke auf ungenutzten Dächern (nicht in Gärten) im Zentrum Berlins aufzustellen. Dies war eine Anspielung auf die Eroberung des innerstädtischen Raums in Berlin in den 1990er-Jahren, als Bienen auch im öffentlichen Raum fliegen durften. Es war ein Experiment, denn damals erzählten die alten Imker ihren Nachbarn nicht, dass sie Bienen im Garten hatten. Die Bienen flogen im Verborgenen, und niemand wusste davon – außer den Honigkäufern.

Mein zweites Dach befand sich am Aquacarre in der Nähe des Moritzplatzes in Kreuzberg. Viele Freunde kamen vorbei, um das Treiben zu beobachten. Wir waren dem Himmel so nah, beobachteten den Flug der Bienen und sprachen über die Rolle der Bienen und die Verbindung zwischen ihrem und unserem Leben.

Ende 2020 zog ich nach Rom. Drei Jahre lang arbeitete ich im Park der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Neben der Bienenhaltung wurden viele junge Bäume gepflanzt, die in naher Zukunft allen Bienen in der Nachbarschaft als Nektarquelle dienen werden.

Ich liebe Honig und ich liebe Bienen. Manche Bienenvölker leben ein Leben lang, andere nur kurze Zeit. Weniger Eingriffe erfordern mehr Aufmerksamkeit. Dadurch wird die Situation komplexer und verlangt ein tieferes Verständnis. Bienen sind stets künstlerisch aktiv – bei der Honigproduktion, beim Wabenbau und natürlich bei der Entwicklung von Überlebensstrategien. Meine Bienen und ich - wir folgen einander. Es gibt keine Hierarchie.

Die besten Momente der Honigernte erforschen

Honig ist ein Naturprodukt. Er ist ein Trägerstoff, der ausschließlich von Honigbienen hergestellt wird. Die Bienen suchen in einem Radius von maximal 3 km nach Nahrung. Dabei sammeln sie Wasser, Nektar, Pollen und Honigtau (von außen). Außerdem produzieren sie Enzyme (von innen). Die Honigproduktion ist ein komplexer Prozess, der in der Dunkelheit des Bienenstocks stattfindet. Sie ist das Ergebnis einer Kombination aus äußeren Faktoren wie Wetter, Imkertätigkeiten und der natürlich vorkommenden Pflanzenvielfalt sowie inneren Faktoren wie der Beschaffenheit des Bienenstocks, den individuellen Fähigkeiten und der Verfügbarkeit von Enzymen. Jedes Detail hinterlässt eine Spur im Honig. Honig bewahrt diese Erinnerung. Ich habe mit meinen Bienen in Berlin viele Studien durchgeführt und setze sie fort. Jeder Honig erzählt seine eigene Geschichte.

Die mediterrane Flora und das subtropische Klima hier in Rom verhalten sich gegenteilig zu den Rahmenbedingungen im Norden von Europa. Ich bin immer noch in der Experimentierphase. Der neue Rhythmus der Bienenstöcke und die unglaublich vielfältige Bienenflora für guten Honig sind immer noch voller Rätsel. In Rom gibt es im September/Oktober einen zweiten Frühling. In 2022 war die Stimmung und die Temperatur ähnlich eines Frühsommers. Ist das ein Anzeichen für Klimawandel oder nur ein Abweichen?

In 2022 gelang es mir anfangs November Honig zu ernten. Es war mehr als überraschend: Die Farbe, der Geschmack und vor allem der Zeitpunkt des Jahres, alles war aussergewöhnlich. Eriobotrya japonica entpuppte sich als Haupt-Nektarquelle. Dabei handelt es sich um eine eingeführte Baumart, die ursprünglich aus Asien stammt, sich leicht vermehrt und im Oktober zur Blüte kommt. Die weißen Blüten duften wie Marzipan, und so verhält es sich auch mit dem Honig… 

Honig, wenn er in weißen Waben reift, hat einen Glanz. Er stammt aus umgewandeltem Sonnenlicht. Weißes Wabenwerk ist vor allem durchlässig. Nach der Reifung behält der Honig seinen Glanz. Wenn Honig ins Glas fliesst, bildet sich ein Band. Honig rinnt nicht wie Wasser. Honig faltet sich.

Zum Sommerhonig gehören: Robinie, Ailanthus, Ligustrum, Myrte, Malve, Thymian und Honigtau
Im Frühlingshonig finden sich die winterblühenden und früh blühenden Pflanzen: Mandel, Pfirsich und Zitrusfrüchte, Rosmarin, Echium, Lavandula, Viola - bernsteinfarben.

Honig gleicht niemals einem anderen Honig. Honig ist einzigartig, aber steht nie für sich allein. Er ist nicht singulär. Eine ganze Welt spiegelt sich in ihm wider. Kann man ihn dann planetarisch nennen? Die vielen Faktoren, die die Zusammensetzung und Beschaffenheit beeinflussen, wie Witterung, Nektar- und Pollenangebot im Flugkreis, Gesundheitszustand und das Können des Bienenvolkes, seine Behausung, der Standort im Allgemeinen und natürlich die Pflege der Bienen...Alles hat einen mehr oder weniger großen Einfluss. 

erste Notizen zu römischem Stadthonig

In Rom gibt es neben Blütennektar relativ viel Honigtau. Viele Straßenbäume und Gartensträucher haben sterile Blüten. Sie produzieren keinen Nektar für Bienen.

Mein Honig zeichnet sich durch einen relativ niedrigen Wassergehalt (meist zwischen 14,5 % und 17 %) aus. In diesem Zustand ist frischer Honig eher zähfliessend, während reifer Honig im Herbst oft auskristallisiert – mit Ausnahme des Kastanienhonigs, der flüssig bleibt. Ich rühre den Honig nur sehr wenig, um die innere Spannung zu erhalten. Beim Rühren gebe ich ihm nur etwas Schwung. Dadurch kann es vorkommen, dass sich im Winter Honigblüten bilden. Das ist aber nicht weiter schlimm. Der Geschmack wandelt sich von blumig über holzig und minzig bis malzig.

Der erste Honig wird im Mai oder schon Ende April geerntet. In Rom gibt es viele Winter- und Frühlingsblüher, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte. Blauregen ist ein Magnet für Bienen. Rosmarin hängt über die Mauern, duftende Veilchen auf den Wiesen, Obstbäume und vielleicht der erste Lavendel – das ist Frühling. Rötlicher Schimmer.

Im Juni blüht bereits der Götterbaum, blumige Noten, hier und da eine Linde, minzige Anklänge. Honigtau ist schon da, was dem Honig eine würzige Note verleiht.

Im Juli vermischt er sich und wird zu einem Miele Millefiori / Vielblütenhonig. In der Stadt gibt es viel (langweiligen) Liguster, auf dem Land wird er durch die (sehr bitteren) Kastanien dunkler.

Im August wird der Geschmack insgesamt holziger und malziger, mehr Honigtau, es blüht nichts mehr.

Letztes Jahr gab es im September eine besondere Nektarblüte: Efeu. Diese war sehr speziell und nicht einfach zu handhaben.

Honiganalyse Rom

Die Honigernte vom 9.6.2025 aus dem Garten in Garbatella erwies sich als die beliebteste aller "Sorten". Sie war eine von 15 verschiedenen Ernten, die das Jahr 2025 zwischen dem 3.5. und dem 30.9. prägten, wobei es ca. 7 unterschiedliche Richtungen gab und darunter die weniger offentichtlichen Unterschiede, die es zwischen den einzelnen Stöcke gibt.

Der Honig vom 9.6.25 wurde einer Pollenanalyse unterzogen: 82 % Götterbaum (Ailanthus altissima), 8 % Himbeere (Rubus) und 2 % Kreuzdorn (Rhamnus) sowie geringe Anteile von Natternkopf (Echium), Punica (Purica), Eukalyptus (Eucalyptus) und Klee (Trifolium).

Der Geschmack war blumig und mild, frisch und einfach wunderbar. Die Kristallisation begann zu Beginn des neuen Jahres. Der Honig wurde größtenteils in den ersten Monaten nach der Ernte konsumiert.

Da wir nicht wussten, dass es sich um einen sortenreinen Götterbaumhonig handelt, stellten wir uns Aromen von Pfirsichblüten, Rosen, Jasmin und vielen anderen Blüten vor. :)

Über mich

Ich liebe die Natur und bin fasziniert von Beziehungen zwischen Mensch und Tier, die Manipulation, Herrschaft und Ausbeutung beiseitelassen und sich auf das kollektive Bewusstsein, vielleicht sogar auf das kollektive Unbewusste (?) konzentrieren – etwas, das uns verbindet und uns dem Ursprung des Lebens näherbringt.

Beim Imkern lerne ich mehr darüber. Ich lebe zwar in der Stadt, fühle mich aber zum Landleben hingezogen, besonders in die Richtung der Bergwelt. Seit meinem Umzug nach Rom wandere ich viel und erkunde die Einsamkeit des Zentralapennins.

Mein Fokus in der Imkerei hat sich verschoben: Ich interessiere mich weniger für das soziale Gefüge der urbanen Imkerei (wie in Berlin) und konzentriere mich mehr auf den Organismus der Biene: das Wissen über den Bienenstock, das ständige Lernen. Ich widme mich dem Bienenwachs. Ich sammle es, reinige es und gieße daraus Kerzen. Die Kerzen sind im Grunde ein Archiv meiner Imkertätigkeit.

Was Honig betrifft, so wird er sehr geschätzt, und es gibt immer zu wenig davon. Er bleibt das Kostbarste, mit dem ich in der Welt (ver-)handle.